Austrian Open 2009


Kategorie: Archiv
Erstellt von: tinu am 25.08. 2009

1. Tag (19. August 2009) (551 km, oder auch ein wenig mehr)

Am Mittwoch (oder war es noch Dienstag) war es also soweit. Ich verliess die Einstellhalle in Bern um 4:45 (nochmals zum mitschreiben: vier Uhr fünfundvierzig). Pünktlich um 5 war ich bei Tom in Schliern und wir konnten den ersten Zwischenhalt in St. Margrethen zum Tanken und Kaffeeplausch in Angriff nehmen. Der Hauptgrund für das frühe Aufbrechen war das Ziel, in Zürich nicht in die morgendliche Rush-hour zu geraten. Das Ziel wurde zwar erreicht, aber es ist schon erstaunlich wieviele Autos kurz vor 6 im aargauischen in Richtung Zürich bereits unterwegs sind. Nach der kurzen Pause und dem Kaufen eines Pickerls (österreichische Autobahnvignette) konnten wir weiter in Richtung Arlberg - Innsbruck - Wörgl - Zell am See weiterrauschen. Hätte mein lebendiges Tomtom auf dem Beifahrersitz nicht kurzzeitig einen Hänger gehabt, so wären wir ca. um 11 in Zell angekommen. So war es dann halt ein paar Minuten später.

Beim Einchecken im Hotel (welches übrigens gay-friendly war) haben wir uns nach dem neuen Discgolfparcours erkundigt. Die Dame am Empfang wusste davon (staun) und konnte uns den Weg zu den Bergbahnen erklären. Nochmals zurück zum Thema "gay friendly": keine Ahnung, wieso in Zell jedes zweite Hotel dies bei der Beschreibung angibt, aber einen Unterschied zu anderen Hotels haben wir keinen festgestellt. Angekommen an der Talstation haben wir uns ein Ticket für eine Bergfahrt auf die Schmittenhöhe gekauft. Oben angekommen, Essen und Getränke bestellt habe ich dann eine erste Kontaktaufnahme mit den österreichischen Freunden, welche am gleichen Tag auf ihrer Tour de Discgolf auch in Zell Station machten, gestartet. Eigentlich gingen wir davon aus, die Gruppe auch im Berghaus anzutreffen, aber dies war aus einem einfachen Grund gar nicht erst möglich: wir waren auf dem falschen Hügel gelandet. Wie hätten wir dies auch wissen sollen, dass der Schmittenparcours auf dem Sonnkogel (und nicht wie der Name fälschlicherweise vortäuscht) auf der Schmittenhöhe beginnt. Vorher fragen ist ja nun wirklich nur was für Warmduscher und Vorwärtsparkierer, aber doch sicherlich nicht für uns Stahlseilbangeejumper. OK, kurz nachgefragt, wie man denn zum Kurs kommt, einen Plan begutachtet und los gings: zu Fuss. Die Dauer um auf die Sonnalm zu kommen wurde uns mit einer Stunde angegeben. Es wurde mit den österreichischen Freunden ausgemacht, dass wir im Restaurant auf sie warten sollen und mit ihnen dann die zweite Runde spielen würden. Da Tom immer noch Probleme mit seiner Achillessehne hat und daher ein wenig gemütlicher geht, habe ich ihm einen 10minütigen Vorsprung gegeben, während ich noch die Rechnung im Berghaus beglich. Auf den Wegweisern war dann immer Sonnkugel und Sonnalm zu lesen. Plötzlich war ich mir nicht mehr ganz sicher, was Bernd (Wender) am Telefon gesagt hatte, wo wir uns zu treffen gedachten. Ich rief ihn (zum Glück) nochmals an und ging dann Richtung Sonnkugel, wo ich nach exakt 23 Minuten ankam. Da Tom und ich vorher immer von Sonnalm gesprochen hatten, war dieser natürlich "falsch" abgebogen. Ich konnte ihn aber noch rechtzeitig erwischen und so traffen wir die anderen an Bahn 7 (!!). Das Gelände bzw. der Kurs war ein bisschen weitläufiger als angenommen.

Wir sind dann sofort ins Spiel eingestiegen und haben uns bis Bahn 18 auf der Sonnalm durchgekämpft. Das Gebiet ist wunderschön, das Gelände (Skipiste), wo der Kurs draufsteht, extrem steil und wer nicht geübt ist, Scheiben runter zu werfen, wird am Anfang grosse Mühe bekunden, jeweils eine 3 zu spielen. Es gibt kurze Bahnen, lange Bahnen, Linkshänder- und Rechtshänder-Bahnen quer zum Gelände und somit birgt der Kurs auch ein gewisse Gefahr, dass sich blutige Anfänger nach der Hälfte der Bahnen entmutigt hinsetzen werden bzw. die Uebung abbrechen werden. Aber grundsätzlich ist der Kurs (welcher mit viel Enthusiasmus seitens Zell am See betreut wird) sehr unterhaltsam zum spielen. Hoffen wir doch alle, dass das Schmitten Open 2009 vom nächsten Wochenende weiter dazu beiträgt, dass vielleicht später andere Bergbahnen bzw. Orte nachziehen, und auch so etwas möchten. Schliesslich wurde nur eine Runde gespielt und bei einem Erfrischungsgetränk auf der Sonnalm eingehend analysiert.

Am Abend war dann noch Stadtfest in Zell angesagt. Dieses findet in den Monaten Juli und August jeden Mittwoch jeweils ab 19 Uhr statt und lädt mit vielen Imbiss- und Getränkebuden und viel Musik von Jazz über Folklore wirklich zum verweilen ein (was wir dann auch taten).

2. Tag (265 km)

An diesem Donnerstag war der Transfer nach Tragwein angesagt. Das Tomtom hatte keinen Hänger, und so waren wir kurz vor Mittag in unserem neuen Quartier auf einem Bauernhof in Bad Zell (Nachbarort von Tragwein). Kurz die Taschen hingeschmissen und zurück nach Tragwein wo wir uns beim Platzwirten mit Flo und Gert (?) trafen. Nach dem Mittagessen haben die beiden uns dann zum Parcours geführt. Mit GPS hätten wir Knollhof 1 eingeben müssen, ohne hätten wir es wahrscheinlich nicht so schnell (oder gar nicht) gefunden. Mein Auto hatte mühe, da es sich nicht gewohnt ist, dass 2 Personen bei einem Mittagessen soviel an Kilo zulegen können. Wir Schweizer sind es uns einfach nicht gewohnt, soviel zu essen. Aber gut war es trotzdem.

Auf dem Kurs angekommen, haben wir die mitgebrachten Körbe ausgeladen und uns alsdann zusammen mit Michl Priester und Karl Seper auf eine erste Runde auf dem Waldparcours gemacht. Die ersten 11 1/2 Bahnen sind wirklich allesamt völlig im Wald und die Schneisen sind zum Teil kaum zu erkennen, so eng ists. Die Bahnen sind zwar zuweilen sehr kurz, aber die Bäume fangen die Scheiben nicht minder gut. Dies zeigte sich auch später dann in den Scores: beste Runde im Wald war eine 50 von Dylan Cooper und Günther Kaimberger am Samstag nachmittag. Die restlichen 6 1/2 Bahnen sind zwar ein wenig offener, aber (vor allem diejenigen in den Pferdekoppeln) auch deutlich länger. Anschliessend spielten wir noch ein Runde Doppel zusammen mit Isabella und Michl Priester. Tom und ich haben uns mit einer gespielten 53 nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Zudem wurden wir von den Priestern (51) abgezockt. Wo dann Michl seine Frühform auf dem Weg zum Turnier anschliessend verloren hat wurde leider nicht überliefert. Egal, auch der zweite Tag in Austria war bei herrlichem und warm bis heissem Wetter toll. Nach dem Spiel haben wir uns in Tragwein eine Mahlzeit beim örtlichen Pizzaiolo gegönnt. Hier trafen wir dann auch noch auf Mossi und Malu und die Kampfansagungen, wer denn wen hinter sich lassen wird, konnten bei einem Glas erläutert und diskutiert werden.

3. Tag (oder 1. Turniertag) Am Freitag konnte dann das Trunier endlich beginnen. Am Vormittag wurde auf dem Wiesenkurs gespielt. Doch der Name des Kurses war mit äusserster Vorsicht zu geniessen. Auch auf diesem Kurs konnte der Spieler auf der Hälfte der Bahnen mit einem für eine Wiese sehr untypischen "Tock" (oder sogar "Tocktock") konfrontiert werden. Ich wurde zusammen mit Mossi auf Bahn 6 geschickt. Um die Sache nicht gleich auf der ersten Runde klar zu machen landeten wir beide mit einer bescheidenen 60 ex aequo auf dem gleichen Zwischenrang. Der Schreiber braucht hier absichtlich den Ausdruck "ex aequo", da keiner der angereisten Spieler aus Deutschland diesen jemals in seinem Leben gehört haben wollte. Sollte einer dieser Spieler diesen Bericht lesen, dann sei hier die Erklärung dazu geliefert:

ex aequo = [lat., zu →ex u. lat. aequus = gleich] (bildungsspr.): in derselben Weise, gleichermaßen.

Tom war mit seiner 59 verständlicherweise auch nicht sehr zufrieden. Nach einer Mittagspause gings dann noch darum, den Waldparcours zu spielen. Dies gelang den Schweizern in etwa mit den gleichen Resultaten wie auf der Wiese: Tom 57 und ich 59 => nicht wirklich berauschend. Anschliessend Analyse und Nachtessen beim Platzwirten.

Zwischenstand nach Tag 1: Open 1. Dani Hatvani (101), 2. Michael Stelzer und Otfried Derschmidt (105)...27. Tom (116) und 31. Tinu (118). Damen 1. Irmgard Derschmidt (113), 2. Vroni Prakisch und Susanne Giendl (124)

4. Tag (2. Turniertag)

Am Samstag stand exakt das gleiche Programm wie am Freitag auf dem Zeitplan. Mit einem klitzekleinen Unterschied: am Freitag haben wir noch bei 30 Grad gespielt, am Samstag dann ein wenig kühler, aber Dauerregen bis kurz vor Schluss der zweiten Runde. Tom spielte auf der Wiese leider schlechter als am Vortag (61), im Wald konnte er zumindest die 57 halten. Die 57 war allerdings ohne eine einzige 2 gespielt. Den Samstag haben die Schweizer immer im gleichen Flight gespielt. Am Nachmittag waren wir zusammen mit Michael "Pauli" Paulus und Andy Barth unterwegs. Um die Sache ein wenig spannender zu machen, haben wir um ein Getränk beim Players Dinner gespielt. Nach 8 gespielten Bahnen (Start war bei der 7) lagen die Oesterreicher mit 2 Würfen in Führung. Wir haben sie natürlich absichtlich ein wenig ziehen lassen, in der Hoffnung, sie würden sich dann zu früh in Sicherheit wähnen. Nach weiteren vier Wholes war es noch ein Wurf und Dank einer unabsichtlichen 2 meinerseits an der drittletzten Bahn wurde es nochmals sehr spannend. Unabsichtlich, weil ich diese Bahn (4) hasse und bis dato gar nicht weiss, wie ich sie spielen soll. Zufälligerweise habe ich dann aber keinen Baum getroffen und die Scheibe lag 1m neben dem Korb, was ich anschliessend kaltblütig ausgenutzt habe. An Bahn 5 lag eigentlich niemand zwingend zur zwei. Pauli hat dann aber die Scheibe aus gut 8m downhill ohne Bremsmöglichkeit bei einem allfälligen Verfehlen des Korbes sauber in denjenigen gelegt. Ich lag ca. 5 cm (cm nicht m) näher am Korb und musste angreiffen, wollte ich (wir) nicht frühzeitig das Getränk verlieren. Und oh Wunder, ich habe den Putt gemacht: also immer noch Gleichstand. Bahn 6; "Titanic"; letzte Bahn; Shutdown: eine ca. 50m lange und unheimliche 3m (drei) breite Schneise, welche beinahe überhängend bergab gespielt werden will. Hinter dem Korb ist leider keineswegs der Beginn Hollands: also immer noch steil bergab. Pauli beginnt und legt die Scheibe 4m an den Korb: leichte 2. Ich liege zwar genau auf der Linie, aber an die 10 m zu kurz: schon wieder Downhill putten. Andy legt seine Scheibe an den Korb und Tom links vom Fairway in einen Baum. Hingegen legt er die Scheibe mit einem sehr schönen Approach an den Korb. Für mich also die gleiche Situation wie an Bahn 5: Top oder zahlen. Aber (Wäut ghei um) auch dieser Putt ist im Korb angekommen und es kommt zum Stechen an Bahn 7. Hier versage ich dann kläglich und spiele eine 3, während die anderen eine 2 spiele => doch zahlen. Der gelungene Versuch, die drohende Niederlage abzuwenden hat aber meinem Score sehr gut getan und ich spiele nach einer etwas bessern 58 am Vormittag eine gute 54. Am Abend beim Playersdinner wird dann wie üblich in Oesterreich viel gelacht, Geschichten ausgetauscht usw. Auch kommen wir noch in den Genuss einer spektakulären Rede des Verbandspräsidenten Hans Lackner (seines Zeichens Leadsänger der weltbekannten Band "Verschärft" aus Wien), welche den anwesenden die Tränen in die Augen schiessen liess.

Zwischenstand nach Tag 2: Open 1. Michael Stelzer und Dylan Cooper (210), 3. Dani Hatvani (211), ...21. Tinu (231) und 25. Tom (234). Damen 1. Irmgard Derschmidt (244), 2. Caroline Gould (248), 3. Susanne Giendl (249)

5. Tag (3. und letzter Turniertag)

Am Sonntag wurde der nach Scores schwierigere Kurs gespielt: Wiese. Laut Wetterbericht sollte es schön, trocken und wieder angenehm warm sein. Zu Beginn des Tages sieht es auch noch danach aus. Somit hat kein Spieler was gegen andere Bedingungen mit sich. Nach ein paar Bahnen ziehen bedrohlich dunkle Wolken gegen den Parcours, aber glücklicherweise auch darüber hinweg, ohne sich ihres Wassers zu entledigen. Oesterreichische Wolken können also lesen (zumindest was die Trockenheit anbelangt). Ich spiele (wie immer auf der Wiese) konstant auf hohem bzw. tiefem Niveau (je nach dem ob man von den Zahlen, oder vom Können spricht): nach 60, 58 kommt jetzt noch die 59. Tom kann hingegen doch noch andeuten, dass er es eigentlich besser kann (und normalerweise auch tut), und spielt noch eine gute 53. Nach dem Mittagessen gibts dann noch ein typisch österreichisches Finale: 3 Frauen, 5 Jungs, 1 Flight und 6 Bahnen. Geändert hat sich aber nichts mehr, obschon die ersten 3 innerhalb 2er Würfe lagen. Die Männer spielen (mit Ausnahme von Dani (20)) alle eine 18 und die Damen eine 23 (Irmgard und Caroline) bzw. eine 24 (Susanne).

Endstand nach Tag 3: Open 1. Michael Stelzer (277), 2. Dylan Cooper (278), 3. Dani Hatvani (281), 4. Otfried Derschmidt (282 und Staatsmeister), 5. Günther Kaimberger (288 und Vizemeister) ...20. Tom (287) und 22. Tinu (290). Damen 1. Irmgard Derschmidt (329 und Staatsmeisterin), 2. Caroline Gould (311 und Vizemeisterin), 3. Susanne Giendl (237)

6. Tag (Heimreise) (755 km)

Montag morgen kurz nach 8 fuhren wir in Bad Zell los um vor dem Feierabendverkehr in Bern zu sein. Kurz vor der Autobahn wollte der Tank noch gefüllt werden. Hingegen waren sich Tank und Tankklappe überhaupt nicht einig. Die Klappe, welche auch an der Zentralverriegelung hängt, liess sich partout nicht öffnen. Neben der Tankstelle war aber auch eine Werkstätte und nach dem Aus- und Einräumen des Kofferraums (mit 2 Körben inkl. Füsse gar nicht so einfach) und ein wenig WD 40 liess sich die Tankklappe doch noch zur Koorperation überreden. Mit einem Blasenentleerungsstop vor Innsbruck und einem Tankstop in Diepoldsau fuhren wir ohne weitere Probleme nach Bern. Bei der Hinreise haben wir uns gefragt, wieviele Kilometer wir wohl überdacht zurückgelegt haben. Beim Zurückfahren haben wir (bzw. Tom) dies dann erfasst: von Tragwein nach Bern verbringt der Autofahrer exakt 55,503 km in Tunnels zwischen 300m und 15,7km Länge.

Fazit: Sollte in einem anderen Jahr in Tragwein wieder ein 3-tägiges (oder zumindest 2-tägig) Turnier auf 2 Parcours gespielt werden, ist es durchaus vorstellbar eine Wiederholung dieser Tour zu unternehmen. Zumindest können wir diese jederzeit weiterempfehlen. Wichtig ist aber, dass das Turnier im Juli oder August stattfindet und dass ein Zwischenstop am Mittwoch (vor oder nach dem Turnier ist eigentlich egal) in Zell am See dabei ist.